Der Grüne Faden – Mischen von Grüntönen in Aquarell

Der Frühling kommt und die Bäume schlagen aus – Und das in Grün

Wenn ich gerade auf die kahlen Bäume und matschigen Wiesen blicke, ist es schwer vorstellbar, aber in den nächsten Wochen wird in kürzester Zeit eine grüne Welle über die Natur rollen.

Die ersten Knospen an Buchen und Haselnüssen schlagen schon aus und wer in den nächsten Graben guckt, wird möglicherweise schon frische zartgrüne Hahnenfußblätter entdecken.

Es ist nicht schwer zu erraten, Grün ist meine Lieblingsfarbe. Gerade deshalb bin ich wohl besonders anspruchsvoll, was Grüntöne angeht. Nicht zu knallig, nicht zu trüb – genau richtig müssen sie sein.

Grün in meinen Aquarellen ist immer eine besondere Herausforderung, und gerade, wenn Du, wie ich, viele Motive aus der Natur malst, ist Grün unabdingbar.

Um Dir das Malen mit verschiedenen Grüntönen etwas zu erleichtern, habe ich im Folgenden meine Tipps und Strategien rund ums Grün-Mischen zusammengetragen.

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Grün – eine Herausforderung

Aus nicht genau geklärten Gründen ist Grün schwer wahrnehmbar bzw. schwer einzuschätzen und wiederzugeben. Vielleicht liegt es daran, dass es davon in der Natur so viel  gibt (deutlich mehr als Violett oder Orange, die anderen sekundären Farben), und wir förmlich davon erschlagen werden.

Häufig schätze ich das Grün von Baumkronen zum Beispiel viel heller ein, als es in Wirklichkeit ist, oder das kräftige Hellgrün eines gerade sich entfaltenden Blattes wirkt auf dem Papier plötzlich seltsam neonfarben.

Grün Mischen in Aquarell, Blätter malen in Aquarell - Grundlagen und Tipps Gesche Santen Blog

Ich sehe das mit der hundertprozentigen Naturtreue von Farben zwar nicht so eng. Denn selbst in meinen botanischen Aquarellen geht es mir meist nur darum, die „Idee“ des Grüntons richtig wiederzugeben, als mich darauf zu versteifen exakt den gleichen Ton zu finden.

Doch selbst, wenn Du es mit der Naturtreue nicht genau nimmst, ist es schön, eine gewisse Kontrolle über das Mischen von Grün zu haben.

Grundsätzlich gibt es drei Wege, um an „Grün“ zu kommen.

Direkt aus der Tube bzw. aus dem Napf, selbst gemischtes Grün aus eine Kombination aus Gelb- und Blautönen oder durch das Mischen von fertigen Grüntönen mit anderen Farben.

Fertige Grüntöne aus der Tube (oder aus dem Napf)

Zurzeit habe ich vier Grüntöne in meinen Kasten: Brilliantgrün, Maigrün, Permantentgrün und Olivgrün von Schmincke Akademie. Regelmäßig benutze ich aber nur die letzteren beiden, während Brillantgrün und Maigrün etwas vernachlässigt werden (und wahrscheinlich bald rausgeschmissen und vielleicht durch Royal Talens Rembrandt Farben ersetzt werden).

Der Vorteil solcher fertig für Dich gemischten Grüntöne ist natürlich, dass Du konstant und verlässlich den gleichen Grünton hast, z.B. beim Lasieren größerer Flächen. Andererseits wirken die fertigen Grüntöne meist irgendwie unecht, unnatürlich und monoton.

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In meinen 20 Jahren mit einem Aquarellkasten habe ich nicht mal ein Bruchteil der angebotenen Grüntöne getestet. Warum? Einerseits, weil es so viele gibt, andererseits, weil sich Grün ja auch selber mischen lässt.

Gerade knallige Töne wie das Maigrün kann ich auch ganz einfach durch das Mischen von Cyan und (Kadmium-)Gelb erzeugen.

Kombination aus Gelb- und Blautönen

Wenn ich die Blau- und die Gelbtöne, die mir zur Verfügung stehen, mische, entsteht eine große Spannbreite an Grüntonen. Reines Kadmiumgelb mit Kobalt Türkis (Lukas 1862) ergibt zum Beispiel ein sehr intensives Grün, das an das fertig zu kaufende Maigrün erinnert. Auch Kadmiumgelb und Cyan ergibt eine sehr frische Farbe.
Sowie die Gelbtöne einen gewissen Rotstich haben (Rot ist die Komplementärfarbe von Grün), wie Indischgelb oder Ocker, sind die entstehenden Grüntöne dementsprechend trüber – ein Mix aus Olivgrünen entsteht.

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Abgetönte fertige Grüntönen

Natürlich kannst Du Deinen gewünschten Grünton auch aus einer Kombination aus fertigem Grünton und anderen Farben aus Deiner Palette erzeugen. Hier sind keine Grenzen gesetzt, aber ich habe mich bei meiner Misch-Matrix nur auf Gelb- und Brauntöne, sowie Indigo beschränkt.

Eine Zugabe von Kadmiumgelb zu den fertigen Grüntönen macht diese noch etwas heller und freundlicher, während Ocker und Umbra Gebrannt für eine gewisse Trübung sorgen. Sepia und Indigo plus Grün ergeben schöne dunkle Töne. Die Kombination aus Brillantgrün und Indigo merke ich mir gleich mal vor, für die nächste Tanne, die ich male.

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Grün mischen – einfacher gesagt als getan

Misch-Matrizen, wie ich sie oben gezeigt habe, helfen Dir ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Grüntöne möglich sind. Doch wenn Du vor einem Motiv stehst, hast Du immer noch das Problem entscheiden zu müssen, durch welche Kombination aus Gelb und Blau, oder Grün und X Du diesen Ton nun erreichst.

Grün Mischen in Aquarell, Blätter malen in Aquarell - Grundlagen und Tipps Gesche Santen BlogAuch Farblehre-Hilfsmittel, wie der Farbkreis helfen in dieser Situation nur bedingt weiter.

Wer lange und häufig genug malt, entwickelt mit der Zeit ein „Misch-Gefühl“. Dann kombinierst Du die Farben Deines Aquarellkastens ohne groß nachzudenken und weißt einfach instinktiv (oder hast zumindest eine ziemlich gute Idee davon), wie Du einen Ton jetzt mischst.

So geht es mir zumindest – und doch, gerade bei Grüntönen stehe ich immer mal wieder auf dem Schlauch. Was also tun?

Wie in der Einleitung schon beschrieben, will ich dabei nicht zu streng und perfektionistisch werden, aber gerade für den Anfang hilft es, einen Leitfaden zu haben, an dem Du Dich entlanghangeln kannst.

Das habe ich versucht hier mal zusammenzufassen:

Der Grüne (Leit-)Faden

Ich habe wie gesagt ein paar fertige Grüntöne in meinem Aquarellkasten, nutze diese Farben aber deutlich seltener als dass ich mir mein eigenes Grün mische.

Für ein grünes Motiv, wie ein Blatt, brauchst Du meistens mehr als nur einen Grünton. Da gibt es sonnenbeschienende Ecken, die deutlich gelber leuchten oder tiefe Schatten, die extra dunkler Farbe bedürfen.

Wie kriegst Du es also hin, dass das Gesamtergebnis harmonisch und „wie aus einem Guss“ aussieht?

Meine Strategie ist es, ein „Hauptgrün“ des Motives festzulegen, dass als Basis für alle weiteren Grünmischungen fungiert. Wenn ich also zum Beispiel die Schattenfarbe eines Blattes mische, fange ich nicht von Null an, sondern nehme mir meinen „Hauptgrün“-Ton und verdunkle diesen.

Das „Hauptgrün“ als Basis

Als allererstes wähle ich das „Hauptgrün“ des Motives, also das Basisgrün, von dem alle anderen Grüntöne der Pflanze abgeleitet werden. Dieses Grün kann ein fertiger Ton aus der Tube bzw. dem Napf sein, wahrscheinlicher ist aber ein eigener Mix.

Egal, ob Dein Grün direkt aus der Tube kommt, oder Du eines der Blaus mit einem Gelb gemischt hast, es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten der Abwandlung diese Grundtons: Aufhellen, Ton-Variationen und Trübung.

Aufhellen mit Wasser

Je mehr Wasser Du deinem Grundton, also dem Hauptgrün hinzufügst, desto heller wird es. Logisch, das ist ja das, was Aquarell ausmacht. Je mehr Schichten des Hauptgrüns Du übereinander legst (Lasur), desto dunkler wird es, auch logisch.

So kannst Du schon eine Variation an Tonstärken und Helligkeiten erzeugen.

Ton-Variationen zwischen Blau und Gelb

Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder kann dem Hauptgrün mehr Blau hinzugefügt werden, und es damit dunkler und kühler werden, oder das es kann durch das Mischen mit einem Gelb heller werden.

Trübung

Das Trüben des Hauptgrünes, also die Reduzierung der Brillanz, erreichst Du durch das Hinzufügen einer Komplementärfarbe. Offiziell ist die Komplementärfarbe von Grün ein Rot, aber in der Realität funktionieren alle Töne zwischen Violett über Rot zu Orange.

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Beispiel Mohnkapsel

Aus Cyan und Kadmiumgelb mische ich einen hellen und sehr brillanten Grünton. Dieser wird mein Hauptgrünton, von dem sich alle anderen Grüntöne der Kapsel ableiten.

Aufhellen

Ein hellerer Grünton für den Kapselstempel erhalte ich, indem dem Hauptgrünton noch Neapelgelb hinzugegeben wird.

Abdunkeln

Ein Großteil der Schattierung der Kapsel erreiche ich dadurch, dass ich den Hauptgrünton lasiere, also mehre Farbschichten trocken übereinander lege.

Für die stärkeren Schattenbereiche mische ich noch etwas Indigo zum Hauptgrün. Sicherlich wäre Ultramarinblau auch gegangen, aber Indigo macht die Schattenfarbe noch dunkler und intensiver.

Trübung

Außerdem gibt es an der Schnittstelle zwischen Kapsel und Stängel eine Stelle in einem trüberen, wärmeren Grünton. Diesen erzeuge ich, indem das Hauptgrün mit einem Hauch seiner Komplementärfarbe (Orange) gemischt wird.

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Beispiel Gundermannblatt

Das Gundermannblatt hat insgesamt einen etwas getrübten, „olivigen“ Grundton. Deshalb mische ich neben Cyan und Kadmiumgelb noch etwas Orange dazu, um die Basisfarbe zu erhalten.

Abdunkeln

Der Großteil der Hell-Dunkel-Abstufungen im Blatt entsteht durch Lasur mit dem Hauptgrün, also dem Auftrag von Farbe auf bereits getrocknete Farbschichten.
Nur für die dunkelsten Stellen habe ich den Hauptgrünton abgedunkelt, indem Ultramarin hinzugefügt wurde.

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Eine Zusammenfassung meiner Vorgehensweise und alle Beispielbilder kannst Du Dir hier auch noch als PDF herunterladen.

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PDF: Der Grüne Faden – Mischen von Grüntönen in Aquarell


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6 Kommentare

  1. Danke für die ausführliche Beschreibung – das ist total spannend zu sehen und zu lesen.
    Ich bin auch derzeit drüber, mir solche „Color Swatches“ zu machen, einfach weil ich manchmal sehr unschlüssig bin, was für Töne sich alles durch Mischungen erzeugen lassen.
    Und klar, sie sehen gemischt oft zigmal besser aus als die fertigen Töne.

    Danke auch für das PDF, du gibst dir immer so viel Mühe für deine Leser!!! Danke dafür!

    • Hallo Birgit,
      ich danke dir für die vielen positiven und interessanten Kommentare. Viel Spaß mit dem PDF, hoffe es hilft und macht Spaß.
      LG, Gesche

  2. Vielen lieben Dank für die tollen Tipps, Gesche :-) Bald werde ich meinen ersten Aquarellkurs besuchen und ich freue mich schon darauf! Bei Deinen YouTube-Tipps werde ich jetzt auch mal reinschauen. Ich kann mich Birgit nur anschließen: Finde es toll, mit welcher Hingabe Du Dein Wissen weitergibst!

    • Dankeschön. Ich wünsche dir jetzt schon mal viel Spaß bei deinem Aquarellkurs, der wird bestimmt ganz toll!
      Liebe Grüße, Gesche

  3. Liebe Gesche, das hast du wieder wunderbar erklärt. Ich bin gerade dabei mich mehr mit dem Mischen und den Farben zu beschäftigen, da ist deine Erklärung sehr hilfreich, es ist faszinierend zu sehen welche Farben man durch mischen erzielen kann.
    Danke für deine Mühe und Arbeit die du investierst, ich lese immer alles mit auch wenn ich nicht immer kommentiere.
    ♥lich Claudia

    • Danke Claudia,
      es ist immer gut zu hören ähm lesen, dass die Beiträge nicht nur hübsch anzuschauen sind (was ja auch schon nicht schlecht ist), sondern auch tatsächlich helfen.
      Liebe Grüße, Gesche

      P.S.: Schaue auf deinem BLog auch öfters vorbei, als ich Kommentare hinterlasse^^

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