Minimalismus und Malen – Wie viele Farben sind genug?

Jeder Kreative kennt das Gefühl im Kunstbedarf-Geschäft zwischen den Regalen zu stehen und vor Euphorie überzusprudeln. So viele Farben! So viele Möglichkeiten! Die will ich alle ausprobieren!

Doch wie viele Farben sind genug? Bringen mehr Farben und Materialen wirklich mehr? Mehr Kreativität? Mehr Freude? Mehr Malen?

Seitdem ich mich immer mehr mit dem Thema Minimalismus beschäftige und ein Leben mit weniger „Zeugs und Krimskrams“ anstrebe, stelle ich mir immer wieder diese Frage:

Kann ich das  Prinzip der Einfachheit und Reduktion auch auf meine Kunstmaterialen anwenden?

Im Folgenden also ein paar meiner Gedanken zu diesem Thema und meinen (kleinen) Lösungsansätzen.

Malen und Minimalismus - Gesche Santen Blog

Was ist Minimalismus?

Minimalismus ist eine Lebensweise (oder Weltanschauung?), die weniger Konsum und weniger Materialismus, also weniger Besitzt im Allgemeinen, anstrebt. Erhofft wird sich dadurch mehr Freiheit und Klarheit im Leben.

Ich selbst setze dieses Prinzip (, wenn auch nicht immer konsequent) in vielen Lebensbereichen um und habe meine Makeup-Routine auf einige wesentliche und wohlüberlegte Artikel reduziert, in meinem (kleinen) Kleiderschrank passt jedes Oberteil mit jedem Unterteil zusammen, da hängt nichts, was nicht auch regelmäßig getragen wird.

Bei unserem letzten Umzug haben mein Mann und ich tatsächlich weniger Kartons gebraucht, als beim Einzug, soviel wurde ausgemistet und vereinfacht.

Doch es gibt da diesen einen Lebensbereich, in dem auch ich nicht aus der Mehr-mehr-besser-besser Routine herauskomme: Kunstbedarf – Farben, Pinsel,  Papier.

Okay, im Vergleich zu anderen Menschen habe ich vielleicht gar nicht so viele Papier und Farben, bin ich doch finanziell und räumlich beschränkt. Aber trotzdem könnte ich nicht auf den ersten Blick alles finden, was ich suche und erst recht nicht aus dem Kopf aufzählen, was ich habe.

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Es herrscht ein Durcheinander an Materialien (Acryl, Ölpastell, Kohle,…) und an Farbtönen. Es mischen sich spontane Lustkäufe mit geschenkten Stiften, mit denen ich nie warm geworden bin.

Im alltäglichen Gebrauch hingegen befindet sich nur ein Bruchteil meines Materials

Stellt sich also die Frage: Bringt bei Kunstbedarf Mehr tatsächlich auch mehr?

Beispiel Aquarellfarben

Mehr Farben oder weniger Farben, das ist hier die Frage

Es gibt gute Gründe mehr (und immer mehr) verschiedene Aquarellfarben und –töne zu haben. So ist Mischen als Anfänger einfacher mit größerer Auswahl, wenn die Farben im Napf schon dichter an der Zielfarbe sind. Außerdem bleibt die Brillanz der Farben erhalten, wenn man möglichst wenige Töne miteinander mischt.

Gegen eine große Menge an Aquarelltönen spricht meiner Meinung nach, dass man sich zu sehr darauf verkrampft den perfekten fertigen Farbton zu finden, statt einfach loszulegen und es mit Mischen auszuprobieren.

Alles relativ

Gleichzeitig ist es auch total relativ, was man persönlich als „viele Farben“ empfindet. Jemand, der 90 Prozent der Zeit mit einem Reisemalset mit 6 Farben unterwegs ist, findet vielleicht einen Kasten mit 12 Farben viel. (Gut viel oder Schlecht viel, bleibt zu sehen.)

Ich bin vor fast 20 Jahren mit einem 12-Farbton-Starterkasten vom Hersteller gestartet und habe diesen über 10 Jahre ausschließlich verwendet. Mir reichten die zwölf Farben und ich habe mich nie sonderlich damit auseinander gesetzt oder drüber nachgedacht.

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Wenn eine Farbe aus dem Kasten leer war, habe ich sie ersetzt ohne weiter nach links oder rechts zu den anderen Farbtönen zu gucken. Doch dann fiel mir eines Tages Kobalt-Türkis ins Auge. Ich wusste nicht warum, aber ich musste es haben. Es war ein Lustkauf, ganz ohne Kalkül. Ich fand die Farbe einfach nur schön.

Monate später stellte sich heraus, dass genau dies die Farbe war, die mir fehlte um strahlende blau-grüne Flechten-Gebinde zu malen.

Inzwischen habe ich ungefähr 30 Aquarelltöne im Gebrauch, wobei einige davon deutlich mehr beansprucht werden, als andere. Für meine Arbeiten sind das mehr als genug Farben, doch trotzdem kommen zwischendurch immer mal wieder welche hinzu.

Wenn Du wissen möchtest, welche Farbtöne ich für meine Aquarelle unerlässlich finde, dann lade Dir doch das PDF mit meiner Farbpalette herunter.

Meine Aquarell-Palette

Finde heraus, welche Farben ich für meine Blumen- Aquarelle verwende.

Es sind weniger, als Du denkst!


Ein leuchtendes Aquarell beginnt mit leuchtenden Farben.

Lade Dir das PDF mit den 20 Farbtönen herunter, die ich tagtäglich für meine Blumenaquarelle verwende.

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So gesehen hab ich also gar kein Problem, wenn mich der Anblick meines chaotischen Malwagens und der wirren Papierstapel nicht so runterziehen würde.

Das Prinzip des türkisenen Malwagens war einmal, dass ich darauf all meine alltäglichen und wesentlichen Materialien griffbereit habe und diese einfach und unkompliziert durch die Wohnung transportieren kann. Inzwischen liegt in dem oberen Fach aber so viel Krams und Müll auf dem Boden, dass mein Aquarellkasten und Wasserglas kaum noch Platz findet.

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Ich habe mir für den Anfang jetzt drei Dinge überlegt: Aufräumen, Ausmisten und bewusst kaufen.

Aufräumen und Ausmisten

Beim Aufräumen und Ausmisten werde ich (jaja, während ich dies hier schreibe, habe ich es noch nicht gemacht.) jeden Gegenstand in die Hand nehmen und mir überlegen:

  • Wann habe ich den das letzte Mal benutzt
  • Bringt der mir beim Benutzen Freude?
  • Oder ist der Block oder der Stift vielleicht immer ein Ärgernis und ich behalte ihn nur, weil es ein „guter“ Block ist, oder „echte Künstler“ solche Stifte/Federn/Farben verwenden?

Da ich bei meinem Kunstkram nicht so skrupellos mit dem Verschenken und Wegschmeißen bin, wie beispielsweise bei meinen Klamotten, werde ich die aussortierten Dinge erstmal für ein halbes Jahr in den Keller stellen und schauen, was ich wirklich vermisse.

Letztes Frühjahr habe ich meinen Malwagen übrigens schon mal aufgeräumt. Das Vorher und Nachher kannst Du Dir hier ausschauen.

Bewusst kaufen

Was ich mit „bewusst kaufen“ meine ist, dass ich vorher hinterfrage, warum ich diesen einen oder anderen Gegenstand jetzt kaufen will. Ich verbiete mir also nicht alle Spontankäufe, mache mir in dem Moment aber klar, warum ich die jetzt mitnehme.

So habe ich zum Beispiel diese Woche neues Aquarellpapier gekauft (, weil ich gerade so viel für Frühlingspflanzen verbrauche). Dabei sind mir zufällig Rembrandt-Aquarellfarben von Royal Talens aufgefallen. Eine Marke, die ich ausprobieren wollte, seit ich weiß, dass sie Aquarellfarben in Künstlerqualität aber ohne Gelatine anbieten. Gleich also noch spontan zwei Farbnäpfe in den Warenkorb und ab die Post :)

Manchmal ist die Motivation für neue Farben aber nicht so eindeutig, da wird es schon fast tiefenpsychologisch. Kaufe ich die jetzt nur aus Langeweile? Oder lenkt ein neuer Farbnapf mit Ultramarin-Violett davon ab, dass ich mit meinen Veilchen-Aquarellen unzufrieden bin?

Will ich damit  nur Angst übertünchen? Mache ich mir vor, dass mich der Kauf einer neuen Farbe dichter ran bringt an das Wunschbild, das ich von mir als Künstler habe, obwohl hinsetzten und tatsächlich malen mehr bringen würde?

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Fazit

Klar ist, dass ein Meer aus Kunstmaterial gar kein Problem darstellt, wenn Du damit kein Problem hast. Mich macht die Unordnung und Unübersichtlichkeit aber tendenziell unruhig und nervös, weshalb ich es jetzt mit weniger altem und noch weniger neuem Künstlerbedarf versuche.

Ich konzentriere mich auf meine Lieblingspapiere und meine Lieblingsfarben, und probiere Neues nur mit guten Grund und einer bestimmten Motivation dahinter aus. Außerdem will ich darauf achten, welche Farben ich in meiner aktuellen Farbpalette tatsächlich benutzte und brauche und welche überflüssig sind.

Wie sieht es bei Dir aus: Verfällst Du auch in Kaufrausch beim Anblick des Angebots im Künstlerbedarf?
Hast Du lieber viel oder weniger Auswahl an Material?

Wenn Du wissen möchtest, welche Farbtöne ich für meine Aquarelle unerlässlich finde, dann lade Dir doch das PDF mit meiner Farbpalette herunter.

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5 Kommentare

  1. Den Kaufrausch kenne ich sehr gut: Stifte, Farben, aber auch Stempel, Origami- und andere Papiere… und ich kenne ihn obendrein auch in einem weiteren kreativen Bereich: Wolle! Perlen! und Patchworkstoffe …
    Zum einen brauche ich die Inspiration durch eine Fülle an Material, andererseits kenne ich aber auch die blockierende Wirkung durch ein Zuviel (daher räume ich auch regelmäßig meine Schubladen auf und trenne mich dabei von „Ladenhütern“).
    Eine echte Herausforderung ist für mich ein Malkurs, den ich seit einiger Zeit besuche, in dem wir bis auf wenige Ausnahmen nur sechs Farben einsetzen, nämlich Blau, Rot und Gelb (jeweils einmal als warmer und einmal als kühler Farbton). Gemischt wird sozusagen direkt auf dem Blatt, indem wir die Farbschichten übereinanderlegen. Das fällt mir oft noch richtig schwer: wie entsteht so Braun? Wie lege ich den Schatten an? Und ich schiele schon einmal Richtung Indigo-Blau…
    Es macht mir aber viel Freude, so das Hinschauen zu schulen und zu lernen, was mit ganz wenigen Farben möglich ist.

    • Hallo Iris,
      danke für dein Kommentar. Wow, der Malkurs klingt tatsächlich nach einer Herausforderung. Ich male zwar auch manchmal mit stark beschränkter Palette, habe aber eigentlich immer ein paar Lieblingstöne, wie Indigo oder Ocker und Umbra dabei.
      Viel Spaß weiterhin dabei :)
      LG, Gesche

  2. Mit diesen Gedanken beschäftige ich mich auch hin und wieder, genau bis zum nächsten Einkauf!
    Es liegen hier viel zu viele Stifte, Farben, Papier und was weiß ich noch alles rum, das meiste nie in Verwendung! Trenne kommt nicht in Frage, gut wenn ich jemanden kennen würde der es nutzt und gebrauchen kann, dann könnte ich mich schon von dem ein oder anderen trennen, aber leicht ist das nicht!
    Wobei ich mir oft denke mit weniger wäre ich vielleicht kreativer, könnte mehr aus mir raus malen, mehr experimentieren. Aber das Zeug hat ja viel Geld gekostet, also muss ich das auch benutzen!
    Tja, so ist das halt mal!
    ♥lich Claudia

    • Ja stimmt, dass trennen fällt nicht leicht. Deshalb mache ich häufig so eine Probe-Trennung auf Zeit, wo ich Dinge weit weg (Keller packe) und erst wieder in 6 Monaten reingucke. Meistens habe ich dann 1-2 Dinge, die ich freudestrahlend wieder aus dem Karton fische und rufe „Dich habe ich so sehr vermisst!“ und der andere Rest ist mir nach dieser Pause tatsächliche ziemlich wurscht.

      Liebe Grüße, Gesche

  3. Ich kenne das auch gut, zuviel Kram macht mich auch nervös, aber andererseits kann ich mich von einigen Dingen ganz schlecht trennen. Schöne Papiere sind da ein Thema! Ich beschränke mein Bastelhobby jetzt auf die Sachen, die ich habe und kaufe, wenn überhaupt, nur ganz wenige Dinge, die ich für bestimmte Projekte brauche. Aber hauptsächlich schaue ich, dass ich vorhandene Dinge aus dem „stash“ benutze. Dann freue ich mich immer, wenn was weg ist. Bei Malfarben ist das eine andere Liga, glaube ich, wobei ich mir aber schon vorstellen kann, dass man Phasen durchlebt, in denen man bestimmte Farben mehr nutzt und auch irgendwie „braucht“. Das Kobalt-Türkis finde ich übrigens sehr schön; diese Farbe springt mich zur Zeit auch dauernd an. Dabei war ich nie der Blautyp. Sehr seltsam …

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