Einblicke ins Skizzenbuch – malende Naturforscherinnen erzählen: Ursula

“Pflanzen studieren beim Malen. Malen nicht der Bilder wegen, sondern der Pflanzen wegen.

Ursula, 55 Jahre und von Beruf Toningenieurin, kommt aus einer eher musikalischen Familie, gemalt hat dort niemand. Trotzdem griff sie als Jugendliche zum Pinsel, malte LP-Cover ab und verschönerte die Garagenwand ihrer Eltern (mit deren Erlaubnis, natürlich).

Ursula

„Aber so richtig ernst genommen habe ich es nie. Als ich berufstätig wurde, habe ich [das Malen] dann irgendwie völlig vergessen.“

Den Aquarellkasten hat sie sich vor drei Jahren zu Weihnachten gewünscht, weil sie die Lust gepackt hat, es selbst einmal auszuprobieren.

„Nach meinen ersten Versuchen mit dem Aquarellkasten fiel mir irgendwann der Begriff “Botanical” ins Auge. Davon hatte ich noch nie etwas gehört, aber das war es für mich: Pflanzen studieren beim Malen. Malen nicht der Bilder wegen, sondern der Pflanzen wegen. Dann habe ich zielgerichtet danach recherchiert, wo man das lernen kann und Gesche gefunden.“

Nachdem sie sich durch die Gratiskurse und Videos von mir gemalt hatte, startete Ursula mit dem Onlinekurs „Gemaltes Herbarium“.

„Durch den Gratiskurs und deine Posts war mir klar, dass es genau das ist, was ich will und ich bin auch nicht enttäuscht worden.“

Botanische Aquarelle, Skizzenbuch und nature journal
Erfahrungsberichte und Geschichten

„Im Kurs habe ich gesehen, wie es geht und, dass alles keine Hexerei ist. Und ich habe gesehen, dass dir, liebe Gesche, auch nicht alles auf Anhieb gelingt. Ich habe gelernt, dass Geduld sich auszahlt, dass viel Malen sich auszahlt, dass man von Bild zu Bild Fortschritte macht. Und ich betrachte Bilder anders, und auch meine Umgebung. Ich habe anders sehen gelernt.“

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Herausforderungen im Malalltag

Zu Beginn war es Ursulas größte Herausforderung sich zu wagen ihre Bilder zu zeigen. Häufig setzte sie sich unter Druck „schöne“ Bilder zu malen.

„„Schöne“ Bilder zu malen. Das gelingt mir fast nie. Wenn ich die Absicht habe, es ganz schön zu machen, wird es verspannt und gewollt.“

In der Malende Naturforscher*innen Gruppe auf Facebook hat sie sich zum ersten Mal getraut und mittlerweile zeigt sie ihre Aquarelle und Zeichnungen auch interessierten Freunden, Kollegen und Verwandten.

Eine weitere Herausforderung ist es für sie immer wieder, Zeit zum Malen zu finden. Ein Problem, dass wir sicherlich alle nur zu gut kennen.

Am liebsten malt sie in ihrem Wochenendhaus, ist dort ist im Garten oder genießt das trübe Regenwetter.

Pleinair oder am lieber drinnen malen?

„Ich mache gerne mal schnelle Skizzen im Stil der Urban Sketcher, also von der Gegend. Für Botanik ist es mir draußen aber zu unruhig, zu unbequem, da habe ich zu Hause mehr Ruhe dazu.“

Ihre Motive findet sie dabei überall.

„Die Motive finden eher mich.“

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Für ihre Aquarelle malt sie vom lebenden Objekt ab, greift aber auch immer zu Kamera, um das Motiv zu konservieren.

„Ich mache von jedem Motiv mindestens ein Foto, weil ich meist nicht fertig werde, wenn ich vor Ort male. Wenn ich zu Hause Pflanzen male, fotografiere ich sie auch, weil das oft die Sicht auf das Modell erleichtert.“ (Stichwort Schwarzweißfotos um Licht-Schatten besser zu beurteilen)

Ursulas Malequipment

Gestartet hat Ursula mit einem Lukas-Studio-Kasten mit 24 halben Näpfen. Im Laufe der Zeit hat sie ihn mit Farben in Künstlerqualität verschiedener Hersteller ergänzt.

„Letzte Woche habe ich mir z.B. Kobaltblau und Kobalttürkis von Schmincke gekauft. Das ist mir bei meinem neuen Projekt Mittelmeerfische bereits zugutegekommen.“

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Skizzenbücher

Ursula hat eine Reihe von Skizzenbüchern gleichzeitig in Gebrauch: Ein billiges zu Schmieren, ein DinA5 von Hahnemühle für Aquarell, zwei weitere kleinere Aquarellbücher von Hahnemühle, eines dafür übrigens nur für Mischstudien, und noch ein weiteres großes Skizzenbuch zum Herumprobieren.

Für ihre Serie an Mittelmeerfischen hat sie sich jetzt, inspiriert von einer anderen Malenden Naturforscherin, extra ein Leporello zugelegt.

„Lange erschien mir der einzige Sinn von Skizzenbüchern, dass die Bilder da schön aufgeräumt sind. Mittlerweile sehe ich, wie schön es ist, sie ab und zu durchzublättern. Ich führe sie als Antwort auf die digitale Bilderflut. Noch habe ich aber keine rechte Ordnung darin, es ist alles wild durcheinander. Macht aber auch nichts. Für die Fische habe ich jetzt zum ersten Mal einen Plan. Mal sehen, ob das Leporello voll wird.“

Insgesamt hat sie zum Material aber eine angenehm entspannte Einstellung:

„Ich male meist in Hahnemühle-Aquarellskizzenbücher, aber das Material ist mir eigentlich nicht wichtig. Mein Sohn hat neulich einen amerikanischen Profi-Saxofonisten nach seinem extrem teuren Mundstück befragt. Seine Antwort war, dass es eigentlich auf das Material nicht ankommt, sondern auf die Vorstellung vom Sound. So sehe ich das auch. Gutes Material macht Spaß und ist hilfreich, aber viele schöne Bilder sind auf schlechtem Papier mit drei vier Farbnäpfchen entstanden.“

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Nur auf zwei Lieblinge mag sie nicht verzichten, das Umbra gebrannt von Lukas Studio, denn „das dunkelt prima ab“ und den Super5-Füller mit grauer wasserfester Tinte (Farbe Frankfurt), ein Tipp aus der Malende Naturforscher*innen Facebookgruppe. Ich habe übrigens auf Ursulas Hinweis hin die Super5 Tinte auch schon ausprobiert und war hin und weg von den Farben und der Wasserfestigkeit!

Ihr Ziel für die Zukunft ist es, dass die Malerei sie weiterhin in allen Zeiten des Lebens weitertragen und begleiten kann.

So ist ihr Tipp für Anfänger*innen in Aquarell und Skizzenbuch auch:

„Weitermachen! Hingucken!“

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