Mythen, die Dich vom Malen abhalten und Tipps, wie Du sie überwindest

Du liest diesen Blog, ich kann deshalb davon ausgehen, dass Du zumindest peripher am Malen und Zeichen im Allgemeinen und der Natur und Pflanzenwelt als künstlerisches Motiv im Speziellen interessiert bist.

Malst Du selbst, oder siehst Du immer die Bilder andrer Leute und denkst:

„So schön, dass würde ich auch gerne können, aber ich kann ja nicht malen“

Oder bist Du voller guter, kreativer Vorsätze?

Hast Du letztes Jahr bei Aldi (oder Kodi, oder NanuNana) ein Set Farben und Pinsel gekauft, weil Du auch mal „kreativ“ sein wolltest und die Verpackung dann nie angebrochen?

oder

hast Du die Verpackung angebrochen, die Farbstifte oder Tuben farblich nach dem Regenbogen sortiert, Dich des Anblicks erfreut, aber sie dann nie verwendet?

Jaja, Kunstmaterialien im Regenbogen anzuordnen ist auch eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen, es hat sowas befriedigendes, wenn die Farben alle ordentlich beieinander liegen. (Meinen Malwagen aufräumen und Dinge nach Farbe sortieren ist die beste Meditation!)

Du bist nicht allein.

Mythen die Dich vom Malen abhalten und Tipps, wie Du sie überwindest

Jahrelang habe ich nur sporadisch gemalt. Keine regelmäßige Skizzenbuchpraxis, keine langen Nächte vor der Staffelei. Ich studierte Ökologie, ein Feld, das mich unglaublich interessiert aber auch vereinnamte.

Je länger ich nicht malte, desto schwerer war es wieder anzufangen.

Ich hatte einen Haufen negativer Glaubenssätze in meinem Kopf schwirren, die mich abhielten es einfach mal wieder mit dem Malen zu versuchen.

Langsam aber sicher, habe ich mich aus diesem Loch gemalt. Im Folgenden entlarve ich die Mythen, die mich davon abgehalten haben zu malen und gebe Tipps, wie auch Du sie überwinden kannst.

Das Ergebnis muss schön sein oder „gut“, damit sich dich Mühe lohnt

Die Vorstellung, dass ein Bild (vielleicht sogar JEDES Bild) etwas werden soll, ist tödlich für die Kreativität und die Freude am Malen. Meine Skizzenbücher sind voll mit vermeintlichen Fehlern und hässlichen ersten Entwürfen.

Malen ist nicht Backen

Die mit Malen und Zeichnen verbrachte Zeit wird weder nach der Genießbarkeit des Endergebnis beurteilt, noch musst Du Dich strickt an ein Rezept halten, damit das Ganze klappt.

Das künstlerische Äquivalent eines verbrannten Topfkuchens mit matschigem Kern, kann in Acryl ganz interessant aussehen!

Tipp: Wenn Du wirklich unsicher über Dein Endergebnis bist, würde ich vorschlagen: Erzähl erstmal niemanden, dass du malst. Es gibt keine Regel, dass eine Bild nur existiert und es wert war, wenn Du es jemanden zeigst. Ich habe Jahre gebraucht, bis mein jetziger Mann ein Gros meiner Bilder sehen durfte, und das hat niemandem geschadet!

Malen ist kompliziert und material-aufwendig

Ja, es stimmt. Es gibt eine schier unendliche Anzahl an Künstlermaterialien und die Wand mit den verschiedenen Farbtönen ist länger als die Schlange vorm Damen Klo (jedem Damen Klo, überall, zu jedem möglichen Zeitpunkt).

Aber das heißt nicht, dass Du Diese Sachen alle brauchst, um loszulegen und es mit dem Malen zu probieren

Mein Acrylbild (, dass ich in Beitrag zu Tipps für Deine Kreativität schon mal erwähnt habe) ist mit fünf Farben entstanden: Weiß, Sand, Türkis, Gelb, Ocker.

Fünf Dinge, die meine Kreativität fördern | Gesche Santen Blog

Jahrelang (fast 20) habe ich mit einem Aquarellkasten gearbeitet, den ich als Kind geschenkt bekommen habe und der mit 12 Farbtöpfen ausgestattet war. Einige der Töne habe ich so selten genutzt, dass ich sie nie nachgekauft habe.

Andere Leute suchen sich Beschränkungen, um ein interessantes Bild entstehen zu lassen. Wenn Du gerade erst anfängst und keine große Auswahl hast, kommt das ganz von alleine! Manchmal sind auch bewusste Beschränkungen in der Farbauswahl gerade interessant

Tipp: Fange an mit dem was Du hast. Liegen bei dir noch Filzstifte aus der Schulzeit rum? Auch damit lassen sich tolle Sachen machen.

filzstifte

 

Echte Naturstudien müssen draußen entstehen

Ich hatte jahrelang ein schlechtes Gefühl, wenn meine Bilder und Skizzen von Pflanzen nicht nach einer Live-Vorlage, einem vor mir stehenden oder liegendem Ansichtsexemplar entstanden sind. In meiner Wahrnehmung waren Naturstudien nur „echt“, wenn diese auch draußen oder zumindest mit einem Ansichtsexemplar zu Hause entstanden.

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Bilder, die auf Grundlage meiner Fotos entstanden sind waren automatisch minderwertiger.

Was für ein Blödsinn!

Natürlich kann eine echte Pflanze als Vorlage unglaublich hilfreich sein, aber sie haben auch die dumme Angewohnheit zu welken, ein Foto hält ewig, gerade, wenn Du nicht stundenlang am Stück Zeit hast zu Malen ein echter Pluspunkt! Es geht vielmehr darum was ich sehe, fühle, umsetzte, wenn ich mein Motiv betrachte. Nicht darum, ob das Motiv nun in „echt“ vor mir liegt oder auf dem Bildschirm erscheint.

Die Angewohnheit Dinge, die andere machen als „richtig“ einzuordnen und, dass was Du selbst machst als minderwertig abzutun gibt es in vielfacher Ausführung.

Vielleicht sind es für Dich nicht die Naturstudien, sondern Du denkst stattdessen zum Beispiel, dass „echte“ Künstler vor einer Staffelei oder zumindest an einem Arbeitstisch arbeiten und nicht in eine Decke gewickelt auf der Couch kritzeln.

Tipp: Hinterfrage diese Regel, die Du da aufgestellt hast.

  • Wer sagt dass, ich ….soll/muss?
  • Wo steht geschrieben…?
  • Warum?

Mir ist zum Beispiel bewusst geworden, dass ich diejenige bin, die diese Regel, was gute und echte Naturstudien ausmachen aufgestellt hat. Das lief ungefähr so ab: Ich stellte diese Regel auf, an die sich alle zu halten haben, dann war ich wütend über jeden der gegen diese Regel verstieß…und das war ich.

Das Gute daran ist: Wenn Du diejenige bist, die Dir diese negativen Dinge eingeredet hat, kannst Du Dir auch positive Dinge einreden! Also zum Beispiel:

„Das Arbeiten von Fotos ermöglicht mir ruhigeres Arbeiten ohne Zeitdruck.“ Oder auch

„Wieviel entspannter werden meine Bilder, wenn die Skizzen gemütlich auf dem Sofa entstehen.“

Was sind die Mythen, die Du Dir erzählst und die Dich davon abhalten zu Malen?

Hast Du andere Tipps? Ich freue mich auf deinen Beitrag.

Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Oh, da erkenne ich mich sehr gut wieder. Ich hab mir irgendwann einmal gesagt, dass ich nicht malen kann und hab deshalb auch seit der Schulzeit nicht mehr gemacht. Und dann neulich hat es mich einfach gepackt. Ich hab im Internet Mandalas gesehen und fand die so schön, dass ich einfach angefing welche zu zeichnen. Ich hatte schon ganz vergessen wie meditativ es ist zu malen – das hat echt Spaß gemacht! Danke für deinen schönen Artikel. Er motiviert mich mal etwas kreativer zu werden!

    1. Vielen Dank und freut mich zu hören, dass du wieder angefangen hast zu malen.Mir gefallen Mandalas auch gut, ich bin allerdings nicht so geschickt im in-Linien-Malen…aber da fehlt vieleicht einfach die Übung.
      Hoffe, dass du dabei bleibst,
      liebe Grüße, Gesche

  2. Schoner Artikel.
    Ich habe gerade diesen Blog entdeckt. Es sieht sehr gut aus!

    1. Vielen Dank für das Kompliment, schön zu hören, dass sich die Mühe lohnt :)

  3. Liebe Gesche,

    vielen Dank für deinen Mutmach-Artikel! Mir stecken noch so viele negative Urteile von den Kunstlehrern aus der Schule im Hinterkopf, dass es mir echt schwer gefallen ist, mal wieder vorurteilsfrei zu Papier und Stift zu greifen. Aber vor einigen Wochen habe ich mir endlich gegönnt, was ich damals schon gerne haben wollte: Aquarellstifte. Mit denen kann man so schön mit Farben spielen und kleine Patzer einfach verwischen ;-)

    Liebe Grüße,
    Mirjam

    1. Oh ja, Kunstunterricht hat wohl viele vermurkst, mich eingeschlossen. Glückwunsch zu den Aquarellstiften, ich finde die auch großartig, weil sie so farbintensiv sind!
      Viel Spaß beim Malen und liebe Grüße
      Gesche

  4. … noch ein Punkt, der mir persönlich – neben all dem Perfektionismus – davon abhält zu malen, ist gerne auch mal das “teure, gute” Papier, die “teuren, guten” Farben :-(
    Und weil es ja dann mit den “teuren, guten” Materialien dann auch “besonders gut” werden muss und die eigenen Ansprüche damit himmelhoch sind, …. wird das oft gar nicht erst was mit dem Anfang.

    1. Oh ja, du sprichst mir aus der Seele! Ich habe gelegentlich auch die ganz schlechte Eigenschaft, Aquarellpapierbögen in Eurobeträge umzurechnen und panisch zu werden, wenn Bilder “nichts werden” (“nichts werden” ist natürlich total relativ).
      Aber ich habe festgestellt: Ärgerlicher als ein “verschwendetes” gutes Papier ist ein tolles Bild auf schlechtem Papier :)
      Es ist so ein bisschen so, als würde ich all meine Sorgen aus dem “echten” Leben beim Malen noch mal durchspielen (Geldsorgen, Perfektionismus, Wertschätzung im Allgemeinen,..)

      Mmmmh, ich glaube ich bin da gerade auf ein Thema für einen neuen Beitrag gestoßen, danke!

      LG,
      Gesche

      1. :-) das stimmt natürlich auch, ich “überwinde” mich dann immer, doch auf gutem Papier mit guten Farben zu malen … nicht auszudenken, wenn das Bild “was wird” und ist dann auf grottenschlechtem Papier ;-)

        Andererseits “eiere” ich dann ewig rum, BIS ich dann mal auf dem “guten Papier” überhaupt anfange … naja, da schließt sich der Kreis wieder zu meinem vorherigen Kommentar. Muss man wohl lernen … aber auf mit schlechtem Material ist keine Option mehr für mich, soweit so gelernt :-)

  5. Danke für deine Ermutigenden Worte.
    Kommt mir alles sehr bekannt vor.
    Ich verbiete mir oft das Zeichen oder andere Kreativität, weil es noch so viel zu tun gibt.

    Liebe Grüße Marianne

    1. Liebe Marianne,
      entschuldige, habe dein Kommentar grad erst entdeckt. Das mit dem verbieten (oder aufschieben aufschieben aufschieben) kenne ich auch. Es gibt ja immer noch scheinbar Dringenderes oder Wichtigeres zu tun. Aber ich habe gelernt, dass es mir (und meinem Umfeld) besser geht, wenn ich meine Kreativität tatsächlich priorisiere.

      Liebe Grüße,
      Gesche

    2. Bitte :) Ich schreibe solche Beiträge auch, weil ich mich selbst immer wieder dran erinnern muss.
      Frohes und kreatives neues Jahr,
      Gesche

  6. Liebe Gesche,
    danke für Deinen hinreißenden blog. Bin vor zwei Tagen glaub ich, hier das erste mal vorbei gestolpert. Eigentlich wollte ich warten, bis ich mir ein Skizzenbuch besorgt habe, doch ermutigt durch Dich habe ich ein Aquarellblock raus gekramt und gebe mir nun die Gelegenheit zu lernen. Ich freue mich auf all meine “Fehler” weil ohne sie würde ich mich ja nicht entwickeln.

    1. Bitte :) Das freut mich – viel Spaß beim Malen!
      LG, Gesche

  7. Tipp zum Malen auf gutem Papier….wenn das Aquarell nicht wirklich überzeugt benutze ich das Papier für Acrylbilder…..zum Beispiel ganz Abstrakt….

    1. Das ist eine gute Idee! Danke.
      Ich zerschneide das Papier auch manchmal und mache Collagen draus.

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