4 Fehler, die Du beim Blumen malen machst – Und nein, es ist nicht Deine Technik.

4 Fehler, die Du beim Blumen malen machst – Und nein, es ist nicht Deine Technik.

Du fängst nie an

Ich bin fest davon überzeugt, dass es mehr Menschen mit unbenutzten Aquarellfarben zu Hause gibt, als Menschen, die tatsächlich malen. Wenn Du Dich also traust und einfach mal loslegst, ausprobierst einen Pinselstrich vor den anderen setzt, dann hast Du schon gewonnen.

Wenn Du also auf diesen Blog gestoßen bist, weil Du nach „Wie male ich“-Tipps gegoogelt hast, statt tatsächlich zu malen, dann lass Dir gesagt sein:

Probieren geht über Studieren! Du lernst mehr mit jedem seltsamen, unstimmigen oder hässlichen Bild was Du malst, als mit jedem Buch, Artikel oder Tutorial zum Thema.

Du fängst nicht klein an

Und mit klein meine ich in diesem Fall einfach.

Bei der Form- und Farb-Vielfalt der Pflanzenwelt ist es einfach sich von einer dramatischen Blume mit vielen einzelnen Blüten und noch mehr Blättern verführen zu lassen. Als Anfänger würde ich Dir aber raten erstmal Blumen auszuprobieren, die eine einzelne Blüte haben, und Blätter, die nicht übereinanderliegen.

Hier zum Beispiel eine Sonnenblume aus dem Kurs „Gemaltes Herbarium“.

Sonnenblume Aquarell

Später kannst Du Dich immer noch an komplexeren Blüten, wie z.B. diesem Lerchensporn versuchen. Wenn Du aber mit einem komplizierten und damit schwereren Motiv anfängst, besteht die Gefahr, dass Du einfach frustriert aufgibst – und das wollen wir ja nicht ;)

Lerchensporn Aquarell - Gesche Santen

Du gibst zu früh auf, weil Du Dich zu schlecht findest

Aus pädagogischen Gründen füge ich hier Aquarelle von mir ein, die vor zwei Jahren entstanden sind.

Aus Eitelkeit ist deren Auflösung sehr klein, sodass Du sie nicht irgendwohin gepinnt werden.

Collage-Aquarelle-Fortschritt-üben-lernen

Ich zeige diese Bilder, um deutlich zu machen, dass auch die scheinbar noch so „talentierten“ Menschen mal klein angefangen haben. Dass Können und „Talent“ nicht aus dem nichts kommen. Ganz im Gegenteil.

Häufiges Üben, im meinem Fall vielleicht sogar eine gewisse Besessenheit mit dem Motiv, führen zu einer stetigen Verbesserung. Technisch gesehen habe ich in den letzten 2 Jahren Riesenschritte gemacht. In Zukunft werde ich wohl weiterhin Fortschritte machen.

Der Weg zu einem stimmigen Bild ist gepflastert mit lauter mittelmäßigen Bildern.

Je eher Du also mit Deinem ersten und zweiten (und dritten…) scheinbar „schlechtem“ Bild anfängst, desto schneller näherst Du Dich Deinem Ziel.

Du verkrampfst Dich darauf ein „gutes“ Ergebnis zu erzielen

Ein Klassiker, der mir heute noch häufig passiert. Hier eine kleine Geschichte:

Letzten Monat hatte ich kurzfristig die Möglichkeit e meine Aquarelle auszustellen. Natürlich war ich nervös, natürlich freute ich mich. Um die Auswahl der Motive etwas aufzulockern, beschloss ich kurzfristig noch ein, zwei neue Aquarelle anzufertigen. So begann es.

Ich setzte mich an meinen Maltisch, im Kopf das Mantra „Dieses Bild muss jetzt gut genug werden, um es auszustellen“.

Du ahnst es sicher schon, eine Katastrophe! Das Ergebnis waren hintereinander vier Aquarelle, die allesamt okay waren, aber auch irgendwie steif und unstimmig.

(Letztendlich habe ich aber doch ein paar tolle Bilder zusammengestellt)

Blumenaquarelle, Botanische Aquarelle auf geschesanten.com

Was war passiert?

Statt mich auf das Motiv zu konzentrieren, darauf was mir an der Pflanze gefällt und warum ich sie malen möchte, konzentrierte ich mich auf das gewünschte Ergebnis. Das, was dabei rauskam, war kaum mehr als eine Fingerübung. Es fehlte der Zauber, das Gefühl, dass ich beim liebevollen Betrachten des Motivs im Malen aufs Papier übertrage.

Was ist also die Moral? Wichtiger als am Ende ein schönes Bild zu haben ist es eine schöne Zeit beim Malen zu haben!

Wenn Du mit Freude dabei bist, stellen sich Erfolgserlebnisse ganz von alleine ein und sind gleichzeitig gar nicht mehr so wichtig.

Das ist auf jeden Fall meine Philosophie :)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Bianca

    Hallo Gesche,
    ich bin gerade erst vor ein paar Tagen auf Deinen Blog gestoßen und der Zauber Deiner Worte und Bilder hat mich erfasst.
    Ich möchte Dir von Herzen danken , das Du uns teilhaben lässt.

    Selbst bin ich noch blutige Anfängerin und der Druck meiner eigenen Erwartung liegt wie Blei auf meinen Schultern.
    Dennoch möchte ich es weiter versuchen.
    Am meisten scheitere ich am skizziern…..
    Es ist schon sehr schwer da etwas “Gescheites” auf das Papier zu bringen.
    Hast Du vielleicht einen Rat für mich wie ich es am besten lernen kann ?

    Das colorieren mit den Aquarellfarben macht mir dagegen sehr viel Freude.

    Ich werde nun weiter auf Deinem Blog stöbern und mich darüber freuen das Du so offen und
    ehrlich bist und vielleicht den einen oder anderen Tipp für mich mitnehmen können.

    Danke ! Toll das es Dich gibt.

    Einen lieben Gruß aus Niedersachsen und ein tolles Jahr 2018

    Bianca

  2. Silvia Summermatter

    Hallo Gesche,
    per Zufall habe ich Deinen Blog entdeckt. Vor über 20 Jahren habe ich mit der alt Klassischen Malerei angefangen auf Porzellan zu malen. Da ich sehr pingelig bin (weil Klassische Malerei!) konnte ich dann mit meiner Mal Lehrerin auch Aquarell auf Porzellan (das geht wirklich) lernen. Inzwischen bemale ich fast alles – Porzellan, Leinwand, Papier, Stoff etc. was eben ansteht. Aber immer hatte ich das Gefühl – das kannst du nicht oder das schaffts du nicht! Total Verrückt! Und dabei habe ich immer wieder Komplimente erhalten von meinen Werken. Und Du hast vollkommen Recht! Je mehr man Studiert Überlegt und Recherchen im Internet macht, verliert man soviel Zeit, die man besser mit Ausprobieren verbringen würde! Danke für Deine aufmunternden Worte.
    Wünsche Dir viel Erfolg beim Malen und das Deine Werke gelingen.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz Silvia

  3. astrolady100

    Liebe Gesche, wie recht Du hast mit dem Zauber, den man beim Malen mitschwingen lassen soll. Ich bin eigentlich kaum über das Anfängerstadion hinausgekommen und meist nie zufrieden mit meinen Bildern, doch gibt es Momente, wo ich nicht mehr auf Perfektion achte und einfach nur fasziniert bin, was Farben und Wasser eigentlich auch von alleine können und dieses Staunen und Fasziniertsein führt mir den Pinsel ganz anders. Dann kommt etwas heraus, was sich wie von selbst gemalt hat und ich bin total begeistert. Wenn dieses Flow geschieht, tauche ich völlig ab, es können Stunden vergehen, ohne dass ich es bemerke. Ich glaube, man muss einen Punkt erreichen, wo man durch dieses Tor schreitet, das kommt durch: wie du sagst: dran bleiben!!!
    Nun habe ich alle Etiketten meiner Kräutergläser mit den Pflanzen gemalt, die drin sind, anstatt sie zu beschriften. Dabei hast Du mir unglaublich viel Inspiration gegeben, ich finde Dein Werk sehr wertvoll, ein Geschenk ans Dasein. Danke!
    Liebe Grüsse und alles Gute von Astrolady

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