Der geheime Grund, warum ich Blumen male

Klar, ich mag Blumen und Wildblumen im Speziellen. Ich mag sie gern bestimmen, gelegentlich essen und logisch, auch malen. Doch die Frage nach dem „Warum“ geht tiefer.

Also, warum male ich ausgerechnet Blumen? Warum Motive aus der Natur?

Der geheime Grund, warum ich Blumen male. Malen statt Meditation, meine Erfahrung

Vor einigen Jahren befand ich mich am Ende meines Landschaftsökologie-Studiums. Obwohl ich für die Themen an der Uni brannte (Naturschutz! Wildpflanzen! Ökologische Zusammenhänge!), befand ich mich in einem tiefen und dunklen Loch aus Panikattacken und Depression.

Es ist zu kurz gegriffen zu schreiben, dass meine Aquarellfarben alleine mich aus diesem Tiefpunkt herausgeholt haben. Aber, die Tatsache, dass ich in meinen dunkelsten Stunden langsam begann wieder zu Malen und mir im Allgemeinen Zeit nahm für Schönes, Wunderliches und Freude, spielte eine große Rolle.
Zunächst hielt ich meinen naturwissenschaftlichen Hintergrund völlig aus meiner Kunst heraus. Ich sah Malen und Kreativität als gänzlich getrennt von allen anderen Bereichen meines Lebens.

Doch je mehr ich malte, desto mehr fühlte ich mich zu Motiven aus der Natur hingezogen. Spazieren gehen, Pflanzen finden und diese anschließend zu malen wurde zu einer meiner liebsten und regelmäßigen Beschäftigungen.

Ein wichtiger Schritt in meinem kreativen Werdegang und meinem Weg heraus aus ständiger Angst und Panik war die Entdeckung (und eigene Interpretation) von Naturskizzenbüchern.

Auf amerikanischen Blogs stieß ich auf das Konzept von „nature journals“, eine Mischung aus Skizzenbuch, wissenschaftlichen Feldnotizen und Tagebuch. Die Idee räsonierte sofort mit mir, schließlich spielte Natur im Allgemeinen und Speziellen eine große Rolle in meinem Leben und in meiner Kunst.

Noch bevor ich richtig wusste, was ich da tat, startete ich mein erstes nature journal und taufte es gleich auf den Namen Naturskizzenbuch.

Mein Naturskizzenbuch ist für mich ein Ort, Naturbeobachtungen und Fundstücke meiner Spaziergänge festzuhalten. Mal mit Worten, mal in Skizzen, aber meist mit viel Aquarellfarbe.

Raus gehen und Malen in der Natur oder raus gehen, Motiv einsammeln und gemütlich bei einer Tasse Tee im Naturskizzenbuch festhalten, wurden feste Bestandteilemeines Alltags.

Bald bemerkte ich, wie sehr mich mein Naturskizzenbuch stärkte und positive Auswirkungen über das Malen hinaus hatte.

Inspiration und Motive sammeln

Anstatt, dass ich mich an der Natur im Allgemeinen und Wildblumen im Speziellen satt sehe, passiert das Gegenteil. Je öfter ich sie auch regelmäßig im Skizzenbuch festhalte, desto mehr steigt meine Lust, sie als detailliertes botanisches Aquarell zu malen.

Der Ablauf ist meist so: Auf einem Spaziergang oder einer Wanderung entdecke ich eine Pflanze. Vielleicht, weil sie gerade blüht, vielleicht, weil sie neu eingewandert ist. Ich gucke sie mir an, bestimme sie und es juckt in den Fingern. Also zeichne und male ich sie – entweder direkt schnell vor Ort oder in Ruhe zu Hause. Beim Malen entdecke ich erst richtig, was interessant ist an diesem Motiv. Wie heißt es so schön:

Zeichnen lernen heißt sehen lernen

Im Prozess des Zeichnens und Malens lernst Du genauer hinzusehen, Details zu bemerken, die Dir sonst entgangen wären und die Welt um Dich herum zu interpretieren. Und je mehr ich mich im Naturskizzenbuch in mein Motiv verliebe, desto mehr möchte ich ihm gerecht werden und nehme mir Zeit für ein ausführlicheres Aquarell.

Dieser Prozess des Sich-Zeit-Nehmens und Beobachten im Malen ist es auch, der über den Skizzenbuchrand hinaus den weitesten Einfluss auf mein Leben hat.

Achtsamkeit und Dankbarkeit

Achtsamkeit und Dankbarkeit sind ja so Modeworte, empfohlen um unsere erregten, ängstlichen und gestressten Geister zu beruhigen.

Gefühlt habe ich schon alles versucht: Meditation hier, autogenes Training da, aber nichts blieb wirklich dauerhaft in meinem Alltag hängen. Natürlich reagierte ich auf meine scheinbare Unfähigkeit zu meditieren mit Selbstkritik und Verurteilung (nicht hilfreich 😉).

Bei einem erneuten Versuch, eine Achtsamkeitspraxis in mein Leben zu integrieren, machte es plötzlich Klick!

Das Ziel von Meditation ist es, Momente des inneren Friedens zu erleben und Achtsamkeit ist eine Konzentration, bei der man mit offener und neugieriger Haltung bewusst wahrnimmt, was gerade ist, ohne zu urteilen.

Wenn das nicht die Definition einer entspannten, freudigen Malsession ist, dann weiß ich auch nicht!

Mit offenen Augen durch die Welt gehen und die Schönheit erkennen. Auf Details achten, die sonst ungesehen an einem vorbeirauschen, alles Teil der Achtsamkeit und Teil des Zeichnens im Naturskizzenbuch.

Zeit für positive Gefühle

Nicht nur Freude (an den Pflanzen und den Aquarellfarben) finden so durch mein Naturskizzenbuch einen Platz in meinem Alltag. Auch das Gefühl von tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit sind fester Bestandteil dieser alternativen Meditationspraxis.

Die Momente, die ich mit Malen verbringe, sind Momente, in denen ich alles um mich herum vergesse. Ich konzentriere mich nur auf das Beobachten und (Be-)wundern, das Sehen und Zeichnen. Mein Kopf ist dabei so frei wie bei keiner anderen Tätigkeit.

Wenn ich mehr positive Gefühle in meinem Leben will, muss ich also nur mein Skizzenbuch aufschlagen?

Das klingt doch gut, oder?

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Art saves! :)
    Wie schön und ehrlich du das geschrieben hast. Ich danke dir und kann dich voll und ganz verstehen. Und ja…wenn Malen nicht eine Form von Meditation ist, dann weiß ich auch nicht.
    Bitte mach immer weiter damit. Für dich und deine Seele und für uns. :9

    Allerherzlichste Grüße, Doro.

    1. Danke Doro und dicken Gruß.

  2. Ein sehr schöner, offenherziger Text! Ich kann diese Erfahrungen nur bestätigen: Seit ich regelmäßig zeichne nehme ich die Schönheit meiner Umgebung viel bewusster wahr und bin dankbar dafür 😊

    1. Danke. Ich selber muss mich auch immer wieder dran erinnern, dass es wichtig ist, dass ich mir die Zeit dazu nehme.

Schreib was Schönes...

Menü schließen
×
×

Warenkorb