Einblicke ins Skizzenbuch – malende Naturforscherinnen erzählen: Eva

Eva war Grundschullehrerin, und hat sogar Kunst studiert, „aber eben an der Pädagogischen Hochschule, nicht an der Akademie.“, um sie zu zitieren.

Als ich ihr Interview las, dachte ich vor allem eins: Sie hat ein volles Leben. Sie strickt, näht, liest („am liebsten echte Bücher“), reist, hat einen Garten und betreut zwei Flüchtlingsmädchen. Umso froher bin ich, dass sie sich zusätzlich Zeit nimmt zum Malen.

Naturskizzenbuch - nature journaling - Eva gibt Einblicke in ihr Skizzenbuch

„Gemalt habe ich immer mal wieder, aber vor vielleicht 20 Jahren habe ich verstärkt angefangen, mich mit dem Zeichnen und Malen zu beschäftigen. Vor allem das Zeichnen interessierte mich. Der Versuch, etwas so genau wie möglich abzubilden. Ich fing an einen Zeichenkurs zu besuchen, in dem ich dann vom reinen Bleistiftzeichnen zum Zeichnen mit Buntstiften kam. Ich bekam Aquarellstiften geschenkt und traute mich lange nicht, diese Farben mit Wasser anzulösen. Es hätte ja ungenau werden können. Ein paar Versuche mit Aquarellfarbe, aber ich fand es schwierig. Das war ja nicht gut zu kontrollieren!“

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Auf der Suche nach Inspiration und Tipps fand sie mich und die Malende Naturforscher*innen Facebookgruppe.

„Da landete ich dann bei den Malenden Naturforscherinnen. Zum ersten Mal im Internet, zum ersten Mal “Social Media”. Aber die Leute dort waren so nett und die Tipps von Gesche waren so anregend, dass ich mich auch traute, etwas zu teilen von dem, was ich gemalt und gezeichnet hatte. Mittlerweile mache ich viel mehr mit Aquarellfarben. Ich zeichne aber auch immer noch sehr gerne.“

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Über den „Gemaltes Herbarium – Wildblumen in Aquarell“ Kurs schrieb sie:

„Ich habe bei Gesche gelernt, dass Wissen Macht ist. Wenn ich weiß, wie die Pflanze aufgebaut ist, habe ich es leichter sie zu malen.“

Neben Pflanzen traut sie sich auch an andere Motive.

„Ich habe den Mut gefunden, Vögel in Aquarell zu malen oder Bienen, ohne sie vorher gezeichnet zu haben. Obwohl Gesche ja nun wirklich sehr genaue Pflanzenporträts macht, hat sie mich animiert, lockerer zu werden. Ich bin noch nicht am Ende meines Lernprozesses angekommen, aber ich habe die ersten Schritte gemacht.

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Ihr Wunsch ist es etwas abstrakter und lockerer zu malen.

„Ich sehe tolle Bilder, die locker und leicht gemalt sind, aber ich fange immer wieder an, das Lockere zu übermalen, bis alles wieder zu gemalt ist.
Mein Beispiel ist immer: Ich möchte ein Dach malen können ohne jeden Dachziegel malen zu müssen.“

Da streift sie schon ein Thema, das die meisten Kreativen sicher nur zu gut kennen: Perfektionismus.

„Die größte Herausforderung ist die Bekämpfung des Perfektionismus. Nicht jedes Bild muss bis ins kleinste Detail “stimmen”. Naturalismus ist gut, aber man muss auch mal etwas vereinfachen oder auch mal etwas “schräg” stehen lassen können.“

Evas Skizzenbücher

Das Streben nach Lockerheit und der Wunsch den Perfektionismus hinter sich zu lassen, wirkt sich auch auf ihre Skizzenbücher aus. Sie beschrieb sehr treffend, wie der eigene Perfektionismus häufig zwischen einem selbst und einem gefüllten Skizzenbuch steht. Ich kenne diese Dynamik auch nur zu gut.

„Ich habe mehrere Skizzenbücher, weil ich in einigen nur zeichnen kann auf Grund des Papiers. Einige sind so klein, dass ich sie in der Handtasche mitnehmen kann. Ich nutze sie vor allem im Urlaub, da dann alles zusammen ist und nichts verloren geht.“

Naturskizzenbuch - nature journaling - Eva gibt Einblicke in ihr Skizzenbuch
Evas Skizzenbücher

„Zuhause umgehe ich Skizzenbücher immer wieder, indem ich auf einzelne Blätter male (auf dem Block). Ich habe den Perfektionismus noch nicht gut genug im Griff. Aber ich möchte die Praxis des Skizzenbuchs verbessern, mehr in Skizzenbüchern arbeiten. Nicht jedes Bild muss ein “Meisterwerk” werden. Na ja.“

Ein Skizzenbuch führen ist ein Prozess, der Weg und nicht das Ziel und der Anspruch, dass darin alles perfekt und schön sein soll, steht uns häufig im Weg. Umso besser gefällt es mir, dass Eva, statt einfach aufzugeben und nicht weiter zu malen, eine Lösung für sich gefunden hat!

„Ich habe ein Naturskizzenbuch, das ich aber unter den falschen Voraussetzungen angefangen habe und in das ich nur ab und zu etwas eintrage, denn da sollte jede Seite ein “Meisterwerk” werden. Blöd! Ich habe einen Block, der nur an einer Seite geleimt ist, eigentlich ein Postkartenblock. Den benutze ich wie ein Skizzenbuch. Ist kein Buch“

Ihre Motive findest sie am Wegesrand beim Spazierengehen oder im Garten, was gerade Saison hat und wächst. Seltener macht sie auch Fotos. Vor allem dann, wenn sie merkt, dass sie mit dem Motiv nicht fertig wird und es für später konservieren muss.

Zuhause malt sie oft, wenn der Fernseher läuft oder hört Hörbuch.

„Aber wenn ich Pech habe, muss ich Stellen nachhören, weil ich nicht mehr zugehört habe.“

Außerdem malt sie am liebsten in Gesellschaft und gerne auch draußen.

„Ich male nicht gerne irgendwo, wo ich ganz allein bin. Im Wohnzimmer, wo mein Mann in der Nähe ist. Auf der Terrasse, unterwegs. Ich habe keine Angst vor Leuten, die mich beobachten könnten. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Meistens sagen die Leute etwas Nettes oder sie sind still.“

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Stifteliebe

Eva schrieb über ihr Material:

„Ich habe Faber Castell Albrecht Dürer Aquarellstiften, einen Schmincke- Aquarellkasten und einen Reiseaquarell Kasten von Daler- Downey. Meine Pinsel sind ein Sammelsurium verschiedenster Qualitäten und ich plane, mir ein paar gute Pinsel zuzulegen. Meine Wassertankpinsel mag ich, weil man sie unterwegs so gut benutzen kann. Skizzenbücher habe ich auch in allen Qualitäten, weil ich oft welche geschenkt bekomme. Ich benutze auch Blöcke, meistens von Hahnemühle.“

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Wobei die Aquarellstifte ihre absoluten Lieblinge sind:

„Meine Aquarellstiften sind immer noch mein Lieblingswerkzeug. Sie sind so vielseitig einsetzbar. Trocken oder nass.
Aber in den Urlaub nehme ich Bleistifte und Aquarellfarben mit, weil das weniger Platz braucht. (Ich habe viele Stifte!!)“

Ihre Tipps für Anfänger

Anfängern in Aquarell und Naturskizzenbuch rät sie:

Übung hilft! Am besten täglich!“

Außerdem hat sie noch diesen ganz praktischen und pragmatischen Ratschlag:

„Abstand zu den eigenen Zeichnungen nehmen, einen Tag abwarten, bevor man noch mal hinguckt, weil die Bilder dann meistens besser aussehen, als man gedacht hat. Ich würde am Anfang auch kein teures Skizzenbuch nehmen, weil man darin immer ganz tolle Sachen machen will und sich dann ärgert, wenn es nicht so super geworden ist. Aber es muss vom Material her geeignet sein, also wenn man mit Wasserfarbe arbeiten will, muss das Papier auch dafür geeignet sein, weil man sich sonst auch ärgert, wenn das Papier sich wellt.“

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